Schwarzenberg‘scher Schwemmkanal

Adalbert-Stifter-Denkmal
Der Schwarzenberg‘sche Schwemmkanal, eine der merkwürdigsten hydrotechnischen Bauanlagen seiner Zeit, wurde wegen des Holzschwemmens angelegt. Der neue Wasser-Weg ermöglichte das Schwemmen von Holz aus Böhmerwald nach Wien. Somit wurde der schwer zugängliche Böhmerwald-Holzreichtum wirtschaftlich genützt. Den Auftrag zum Errichten des Kanals arbeitete der Ingenieur Joseph Rosenauer (1735-1804) aus, der bei der herrschaftlichen Schwarzenberg‘schen Verwaltung mit  Sitz in Krumau angestellt war. Der Kanal wurde in sehr kurzer Zeit erbaut. Während des ersten Jahres wurde der 29,3 km lange Abschnitt zwischen den Bächern Zwettelbach und Hefenkriegbach (Rasovka), der bei der Gemeinde Hory in die Moldau mündet, fertiggestellt. 1791 führte der Kanal bis zum Seebach, der aus dem Plöckensteiner See fließt. Der See diente als Wasserreservoir, der das zum Holzschwemmen nötige Wasser aufstaute. 1793 wurde der Kanal bis zum Jelení Bach nahe der Siedlung Jelení Vrchy verlängert und die erste Etappe des Kanal-Baus war damit fertig.  Dieser 39,9 km lange Abschnitt wurde später „der alte Kanal” genannt. 1791 wurde das Holz zum ersten Mal auf der ganzen Länge des Kanals geschwemmt. Wegen der massiven Holzgewinnung im Bereich der Böhmerwald-Reviere erhöhte sich nach der Kanal-Eröffnung das Arbeitskräfte-Angebot und es kamen Waldarbeiter und Holzfäller mit ihren Familien hierher. Mit der Bewilligung der Herrschaft gründeten sie hier neue Holzfäller-Siedlungen, wie z. B. Huský Dvùr, Nová Pec, Jelení Vrchy, Stožec, Nové Údolí und weitere Dörfer mit typischer Böhmerwald-Holzhäuser-Architektur.  
Der steigende Holzbedarf führte zur Idee den Kanal über das ursprüngliche Projekt hinaus zu verlängern und somit weitere Waldgebiete  der Holzgewinnung zugänglich zu machen. In den Jahren 1821-1822 wurde der zweite Abschnitt vom Jelení Bach bis zur bayerischen Grenze bei Tøístolièník mit dem 419 m langen Tunnel bei Jelení erbaut. An dem Bau des Rosenauer Projekts beteiligten sich der Schwarzenberg‘sche-Herrschafts-Verwaltungs-Direktor Arnošt Mayer sowie die Ingenieure Josef Falta und Jan Kraus. 1824 wurde in diesem „neuen Kanal” zum ersten Mal  Holz geschwemmt. Die Gesamtlänge des Kanals betrug  ab der Mündung des Flusses Mühl in die Donau bis zum Bach Svìtlá Voda nach der Verbindung der beiden Abschnitten 89,7 km. Der Kanal nimmt Wasser von 21 Bächen auf. Um den Wasserstand zu verbessern wurden 1835 das Wasserreservoir Jelení jezírko und später das Rosenauer- und Øíjištì-Reservoir errichtet. In den Kanal mündeten die drei „Wasser-Riesen“ - Jelení (1,3 km), Jezerní (0,9 km) und Koòský (1,4 km). Die ganze Wasserwerk-Anlage ergänzten 87 Brücken, 80 Wasser-Durchlässe, 78 Wassergräben und 22 Stauanlagen.
Das kleinere Teil des Kanalbettes wurde noch im 20. Jahrhundert genutzt. Durch die Želnavský smyk wurde das Holz bis in das Jahr 1962 geschwemmt, dann hörte der Kanal definitiv auf seinem Zweck zu dienen. Seit dem Jahre 1963 wird der Schwarzenberg‘sche Schwemmkanal in der Liste der immobilen Kulturdenkmäler technischer Bedeutung geführt. In den Jahren 1999 - 2001 führte die Verwaltung des Nationalparks und des Landschaftsschutzgebietes Šumava eine umfangreiche Rekonstruktion dieses einzigartigen Werkes durch. So wurden der Abschnitt zwischen Jelení Vrchy und der „Želnava-Riese“ auf einer Länge von fast  11 km sowie der nicht ganz 2 km lange Abschnitt zwischen den Bächen Svìtlá voda und Stocký potok erneuert. Diese Abschnitte, auf denen Holz geschwemmt werden könnte, ergänzten die schon früher erneuerten Abschnitte an der tschechisch-österreichischen Grenze in der Nähe des Grenzbachs Ježová / Iglbach und auf dem abfallenden Abschnitt unterhalb  der österreichischen Ortschaft Murau.

Karte

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