NÝRSKO UND UMGEBUNG : GROßER JÜDISCHER FRIEDHOF IN NÝRSKO

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Großer jüdischer Friedhof in Nýrsko

Der Friedhof von Nýrsko liegt etwa 1 km südlich vom Bahnhof, auf einer Anhöhe, die früher „Lohe“ genannt wurde. Die jüdische Gemeinde in Nýrsko gründete den Friedhof angeblich im 15. Jahrhundert, aber belegt ist er erst ab der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Wir finden hier viele alte Grabsteine, die aus dem heimischen rauen und leicht verwitternden Glimmerschiefer gefertigt sind, weiterhin dann jüngere Empiregrabsteine aus Kehlheimer Marmor und hohe Prismen aus geglättetem schwedischem Syenit. Begraben sind hier nicht nur Juden aus Nýrsko, sondern auch aus den umliegenden Dörfern.

Der älteste gefundene Grabstein datiert auf das Jahr 1715. Die Inschriften auf den Gräbern pflegten bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nur Hebräisch zu sein, danach zweisprachig (Hebräisch – Deutsch). Fast immer besteht die letzte Zeile aus den fünf hebräischen Buchstaben TNCBH, welche die Abkürzung des folgenden Satzes aus der hebräischen Bibel sind: „Möge seine (ihre) Seele in den Bund der Lebenden eingeschlossen sein.“ Im oberen Teil der alten Grabsteine sehen wir häufig eine kleine plastische Darstellung – Symbole der traditionellen Familienzugehörigkeit des Verstorbenen, seines Namens oder seines Berufs. Zwei segnende Hände sind so zum Beispiel das Symbol für die Nachfahren der Geistlichen im Tempel von Jerusalem, der sog. Cohens. Die Kanne auf einer Schale wiederum symbolisiert die sog. Leviten – ebenfalls Nachkommen altertümlicher Geistlicher.

Begraben ist hier z.B. Wilhelm Eckstein, der Gründer der Optikfabrik in Nýrsko.

Nach altem jüdischem Brauch werden keine Blumen auf den Friedhof getragen, sondern es werden Steinchen auf die Grabmale gelegt. Dieser Brauch erinnert an die Begräbnisse im alten Israel, als die Gräber zum Schutz gegen das Wild mit großen Steinen bedeckt wurden. Erweitert wurde der Friedhof erstmals im Jahr 1750 und zum zweiten Mal 1924 in Richtung nach Osten bis zur heutigen Größe von 1 308 m2, und er wurde mit einem neuen Eingangstor versehen.

Erhalten sind um die 350 Grabsteine, wobei viele Dutzende historischer Stelen als Abdeckung der Friedhofsmauer über ihren gesamten Umfang verwendet wurden. Nach dem Erlöschen der jüdischen Gemeinde in Nýrsko 1938 wurde der Friedhof verwüstet. Die Situation änderte sich erst nach 1989 radikal. Den Friedhof übernahm die Föderation Jüdischer Gemeinden Prag in Verwaltung. Der Friedhof ist gewartet und komplett in digitaler Form dokumentiert, und es wird auch an einer Übersetzung der Grabmale ins Tschechische gearbeitet.

Das neue Eingangstor ist aus Sicherheitsgründen abgeschlossen, und die Schlüssel kann man auf Verlangen in der nahen Gastwirtschaft „Zemanka“ leihen!

Der jüdische Friedhof von Nýrsko mit den erhaltenen Grabsteinen stellt ein Denkmal von künstlerischem und historischem Wert statt. Es ist auch ein Ort von besonderer pietätvoller Bedeutung. Er erinnert uns an die fernen und unlängsten Einwohner dieser Gegend, an Männer, Frauen und Kinder, die zum großen Teil von den Nazis während des Zweiten Weltkriegs ermordet wurden.

(c) Text: Irena Vaòkátová, Foto Muzeum Královského hvozdu o.s.