NÝRSKO UND UMGEBUNG : EHEMALIGES JÜDISCHES GHETTO, GESCHICHTE DER JUDEN AUS NÝRSKO

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Ehemaliges jüdisches Ghetto, Geschichte der Juden aus Nýrsko

Die Straße Rybáøská ulice ist das ehemalige jüdische Ghetto, in dem sich die jüdische Synagoge und die jüdische Schule befanden. Vor dem Zweiten Weltkrieg machte die Anzahl an Einwohnern jüdischen Ursprungs etwa 10 % der Bevölkerung der Stadt aus. Unter der Okkupation gelang es vielen rechtzeitig ins Ausland zu fliehen, aber eine große Menge der Juden aus Nýrsko kam während der Okkupation in Konzentrationslagern um.

Das genaue Jahr, in dem sich die ersten jüdischen Familien in Nýrsko ansiedelten, ist nicht bekannt, nicht einmal die annähernde Zeit. Wie in den übrigen westböhmischen Städten und im benachbarten Janovice nad Úhlavou konnte die jüdische Besiedlung bereits im 15. Jahrhundert entstanden sein. Der älteste schriftliche Bericht, der Juden erwähnt, die bereits vor 1618 in Nýrsko angesiedelt waren, stammt aus einem amtlichen Verzeichnis der Juden aus dem Jahr 1724. Unter den damals genannten jüdischen Einwohnern taucht auch Mayer Bloch mit den Söhnen Lazar und Moses auf. Diese Familie blieb hier bis ins 20. Jh. erhalten. In Akten aus dem Jahr 1670 wird der damals bereits verstorbene Jude „Daniel aus Nýrsko“ erwähnt, der ein größeres Vermögen hinterließ

Seit 1799 gab es auf dem Gebiet des Herrenguts Bystøice 96 Familiantenstellen (Anzahl der Familien, die auf dem Gebiet dieses Herrenguts leben durften), und diese wurden hauptsächlich unterteilt in: Nýrsko - 23, Strážov - 24, Dešenice - 9, Milence - 1 und Bystøice - 2. Insgesamt lebten im Jahr 1890 in Nýrsko 197 Juden, und mit den umliegenden Dörfern, die zum Gerichtskreis Nýrsko gehörten, 288 Juden. Laut der Landeskatasteraufstellung von 1713 war das hiesige Geschäft in Händen von etwa 20 jüdischen Familien, die in folgenden Branchen unternehmerisch tätig waren: Federn, Wolle, Tuch, Leinwand, Leder, Pferde, Vieh und unterschiedliche Krämerware. Unter den Juden gab es auch drei Fleischer.

Aus dem Jahr 1713 haben wir einen Beleg für die Existenz eines Judenghettos (Judenwinkel), das den südöstlichen Teil der Stadt bildete, einen dreieckigen Grundriss hatte und sich annähernd an den Orten um das heutige Postamt befand. Die Häuser wurden von der Obrigkeit von Bystøice ursprünglich aus Holz gebaut und dich aneinander geklebt. Sie hatten eine doppelte Bezifferung, und zwar eine römische von I. – XVIII. aus dem Jahr 1771 und die arabische von 1880. Den Eingang bildete die heutige Straße Rybáøská ulice. Aus dem Jahr 1727 sind in Dolní Nýrsko 16 Häuser und in Horní Nýrsko ein Haus belegt. Der Zugangsweg zum Ghetto wurde in der Nacht mit einer Kette verschlossen. Diese Häuser wurden allmählich durch die jüdischen Bewohner in deren Besitz abgekauft. Im Jahr 1798 und 1861 sind zwei große Brände verzeichnet, bei denen immer die Synagoge, die jüdische Schule und alle Dokumente verbrannten. Nach dem II. Weltkrieg wurden die meisten dieser Häuser abgebrochen, sechs von ihnen wurden zu drei Gebäuden vereint (Tschechische Post, Lebensmittelgeschäft SPAR und zwischen ihnen die Nr. 136 – die ehemalige jüdische Schule mit Rabbinat). Seit 1867 konnten sich Juden auch außerhalb des Ghettos frei ansiedeln.

 

 

Plan von Dolní Nýrsko von 1727, jüdisches Ghetto, gelb gekennzeichnet

Die jüdische religiöse Gemeinde hatte ihre eigene Verwaltung und ihre Vorsteher:  Eduard Jeiteles 1894 – 1906, Eduard Vogel 1906 – 1911, David H. Bloch – 1911- 1917, Ignatz Bloch 1917 – 1920, Leopold Goldbach 1920 – 1926, Siegfried Bernt 1926 – 1929, Franz Stein 1929 – 1933, Karl Jetter (Holzgroßhändler) 1933 - ?

Im Jahr 1797 errichtete die jüdische Gemeinde am Platz Nr. V eine Synagoge als Ersatz für die ältere, ausgebrannte. 1861 wurde sie durch einen Brand zerstört und in klassizistischem Stil erneuert. Abgerissen wurde sie um das Jahr 1958. Der letzte Rabbi war Emil Klauber, der laut Angaben von 1930 die Gottesdienste in der Synagoge und den Religionsunterricht an staatlichen Schulen sicherstellte. Seine Vorgänger: Rabbi Nagel 1865 – 1873, Rabbi Stern 1873 – 1876, Rabbi Max Reiser 1876 – 1913, Rabbi Arpad Hirschberger 1913 – 1915, Rabbi Schapira 1915 – 1917, Rabbi Beck 1918 – 1920.

 

Synagoge von Nýrsko aus dem Jahr 1957, Foto H. Pulánek

Im Haus mit der Konskriptionsnr. 136 war die jüdische Schule mit der Wohnung des Rabbis. Die Lehrer wohnten in Miete in verschiedenen Häusern. 1713 waren hier Samuel Abraham und Lebel Herschel Lehrer, die von der jüdischen Gemeinde jährlich 30 Gulden bekamen. Im Jahr 1724 waren Samuel Joachim Peck aus Prag und Moises Helischau Lehrer, im Jahr 1774 Herschl Löwy Lipman und 1775 Leihmann. Der Lehrer vertrat auch das Amt des Kantors (Vorsängers).

Jüdische Händler in Nýrsko um das Jahr 1930: Sigmund Bloch, Alfred Bloch, Heøman Bloch, Jakub Bloch, Karel Eckstein, Bedøich Schwarz, Luisa Blochová, David Bloch, Karel Jetter, M. Bloch, Ignác Jejteles, Marek Bloch, Emil Bloch, Josef Hahn, Marie Schwarzová. Notar: Dr. Hugo Kirsch. Anwälte: Dr. Ignác Bloch, Dr. Adolf Bloch.

Die jüdische religiöse Gemeinde in Nýrsko wurde am 08.10.1938 von den Nazis aufgelöst. Die Mehrheit der jüdischen Einwohner emigrierte noch vor der Ankunft der Nazis im Jahr 1938 aus Nýrsko oder ging ins Landesinnere weg. In der Stadt blieben von ihnen insgesamt 48 leere Häuser, 5 Gastwirtschaften, 3 Fabriken, 1 Synagoge, 1 leeres Fabrikgebäude und 1 Baugrundstück zurück.

Aus dem heutigen Kreis Klatovy wurden insgesamt fast 600 Personen zu Tode gefoltert, unter ihnen auch eine zum Zeitpunkt der Deportation 95 Jahre alte Frau und ein fünfmonatiger Säugling. Den Krieg überlebten etwa 50 Personen.

Nach dem Krieg wurde die jüdische religiöse Gemeinde in Nýrsko nicht mehr erneuert. Einige von denen, die überlebten, siedelten nach dem Krieg nach Israel aus.

(c) Text: Irena Vaòkátová, Muzeum Královského hvozdu o.s.