NÝRSKO UND UMGEBUNG : AUSFÜHRLICHE GESCHICHTE VON NÝRSKO

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Ausführliche Geschichte von Nýrsko

Unter den letzten Ausläufern des Bergkamms Künisches Gebirge (Královský hvozd), wo der Fluss Úhlava aus dem tiefen, eingeschlossenen Tal Hamerské údolí in ein breites Tal heraustritt, liegt die Stadt Nýrsko. Ihr Name hängt ursprünglich wohl mit dem Wort Nyra – Höhle, Schlupfwinkel oder Erdloch zusammen.

Die ursprüngliche Siedlung entstand an einer Furt über den Fluss Úhlava, wo ein Handelsweg aus dem Innenland Böhmens ins benachbarte Österreich führte. Der Weg wurde „deutscher“ genannt und stieg von der Ansiedlung im Tal durch die tiefen Wälder des Künischen Gebirges bis ins bayerische Neukirchen bergan, von wo er weiter durch den Bayrischen Wald führte. Hier herrschte lebhafter Reise- und Wirtschaftsverkehr. Die ursprüngliche Siedlung diente als Station zur Zollerhebung und für eine sicherere Rast. Von der ökonomischen Bedeutung von Nýrsko zeugt bereits die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1327. Im Urkundenbuch „Zlatokorunský listáø“ ist der Pfandvertrag zwischen dem böhmischen König Johann von Luxemburg und seinem Gläubiger Peter I. von Rosenberg hinterlegt, der das Eigentum der Herren von Janowitz behandelt, wobei unter den Einnahmen auch ausdrücklich das Wegegeld in Nýrsko aufgeführt ist.

Auf der Anhöhe, die teilweise vom Fluss umflossen wird, entstand wohl bereits im 13. Jahrhundert eine befestigte Kirche, die zusammen mit dem umgebenden Friedhof eine Burgstätte bildete und einen Zufluchtsort für die ganze Umgebung darstellte. Das war die noch heute die Stadt beherrschende Pfarrkirche des hl. Thomas. Unterhalb der Kirche entstand der Marktflecken Horní Nýrsko, der nach der Errichtung der Burg Pajrek nad Nýrskem vor dem Jahr 1356 durch eines der Mitglieder des Geschlechts der Janowitz, Teil des Herrenguts Pajrek (dt. Bayereck) wurde. Ein Stück weiter in Strömungsrichtung der Úhlava liegt das Städtchen Dolní Nýrsko, das seit 1339 Sezema z Dolan gehörte, der das Herrengut Bystøice besaß. Verwaltungszentrum der Herren von Janowitz in Pajrek war die Burg Pajrek. Die Festung in Bystøice nad Úhlavou gehörte den Besitzern des Herrenguts Bystøice die sich häufig wechselten. Beide Gemeinden teilten das Schicksal ihrer Herren bis zum Jahr 1524, als Jan Koc z Dobrše, der Besitzer des Herrenguts Bystøice, die Burg Pajrek mit Zubehör vom letzten Besitzer kaufte und so die Grundlage für das allmähliche Zusammenwachsen beider Gemeinden schuf, das seinen Abschluss eigentlich erst im 19. Jahrhundert fand.

Das Städtchen Dolní Nýrsko hatte keine Wälle und nutzte zu seiner Verteidigung die Geländegliederung durch den Fluss Úhlava, die durch Palisaden ergänzt wurde. Vom Ende des XV. Jahrhunderts stammt das älteste Siegel von Dolní Nýrsko mit der Aufschrift „Sigillum civium de Nira inferiorit“ und in der Mitte dann mit dem später im Wappen verwendeten Turm.

Nach 1400 gehen die Einnahmen aus dem Zoll für etwa einhundert Jahre auf die Herren von Riesenberg über. Im Jahr 1429 stellte Kaiser Sigismund eine Urkunde aus, durch die Bohuslaus von Riesenberg den Eintrag für die Wälder, die „Hvozd“ genannte wurden, und für den Zoll aus Nýrsko und Hamry bekam.

Nach der Schlacht bei Domažlice 1431 floh ein Teil des geschlagenen Kreuzritterheers in Richtung Nýrsko und weiter nach Bayern, um der Verfolgung durch die siegreichen Hussitenverbände zu entgehen.

Unter der Herrschaft des Königs Georg von Podiebrad suchten die Feinde im Land Verbündete außerhalb des Königreichs. Das zahlenstarke Kreuzfahrerheer sammelte sich an der Grenze und fiel plündern und mordend nach Böhmen ein. Durch die Bezirksgefechtsbereitschaft, die von Ratzek von Janowitz auf Pajrek geführt wurde, wurden die deutschen Kreuzritter am 22.9.1467 in den Sümpfen bei Nýrsko vernichtend geschlagen.

In den Jahren 1579 – 1593 wird Nýrsko neben anderen Städten zu einer Station ernannt, wo der Ausfuhrzoll für Wein, Weizen, Braugerste und für Pferde eingenommen wurde.

Im Jahr 1593 bat sich Jan Koc z Dobeš für seine untertänigen Einwohner des Städtchens Dolní Nýrsko an der bayerischen Grenze bei Kaiser Rudolfa II. zwei Jahres- und einen Wochenmarkt aus. Später dann 1652 erhielt Nýrsko von Kaiser Ferdinand III. als Hilfe nach beendeten Kriegsleiden das Brückengeld für jeden Wagen und Vieh, das über die Brücke in Dolní Nýrsko geführt wurde.

Im Jahr 1677 wurde die Gemeinde berechtigt, aus den kaiserlichern Lagern, Salz für den eigenen Bedarf zu entnehmen, 1683 genehmigt die königliche Appellation in Prag die Einsetzung eines neuen peinlichen Rechts.

Die erste Erwähnung der Schule stammt aus der Chronik von Nýrsko von 1685. Im Jahr 1712 kehrt der österreichische Kaiser Karl IV. aus Frankfurt über Neukirchen, Nýrsko und Klatovy nach Hause zurück. Im Jahr 1720 bürgert sich allmählich der Kartoffelanbau in Nýrsko ein. Zur ersten systematischen Bezifferung der Häuser im gesamten österreichischen Kaiserreich kommt es 1770. Im Jahr 1782 wurde Nýrsko das Recht zur Lagerung von Salz entzogen, weil das Salz auch an Fremde außerhalb der Stadt verkauft worden war. Im Jahr 1798 fällt das jüdische Ghetto in Dolní Nýrsko nach einem Blitzschlag den Flammen zum Opfer. Laut Sommers Topographie aus dem Jahr 1839 hatten beide Nýrsko 168 Häuser und 1250 Einwohner. Im Jahr 1861 erlitt Nýrsko große Schäden durch mehrere Brände. Im Jahr 1868 wurde der Gerichtskreis Nýrsko im Rahmen der Kreishauptmannschaft in Klatovy errichtet.

Die feierliche Eröffnung der Bahnstrecke Pilsen – Nýrsko fand am 20.09.1876 statt. Am 20.10.1877 wurde der Gebirgsabschnitt Nýrsko – Železná Ruda mit Anschluss an die bayerische Strecke bis nach Deggendorf und Plattling eröffnet. Im Jahr 1880 wurde das Grundbuch für Nýrsko angelegt. Beide Nýrsko erhielten eine einheitliche Bezifferung.

Das Jahr 1895 ist der Beginn der Industrieproduktion Nýrsko. Die Optikfabrik W. Eckstein a Co. siedelte aus Wien nach Nýrsko über. Im Jahr 1902 entstand ein weiteres wichtiges Unternehmen, eine Fabrik für Forken und Schaufeln, die von S. Bernt beim Bahnhof gegründet wurde. Bei der Zählung der Bevölkerung im Jahr 1933 waren die Einwohnerzahl auf 3200 und die Anzahl der Häuser auf 505 gestiegen.

Am 08.10.1938 kam es zur Okkupation der abgetrennten Grenzgebiete der Tschechoslowakischen Republik und der Besetzung durch die deutsche Armee. Am 04.05.1945 befreit die amerikanische Armee Nýrsko. Auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens kommt es zur Aussiedlung der deutschen Bevölkerung. In den letzten fünfzig Jahren wuchs die Stadt um neue Siedlungen und Einfamilienhäuser.

Durch die Öffnung der Staatsgrenze nach 1989 und durch Errichtung weiterer, günstiger Grenzübergange stieg der Erholungswert von Nýrsko und dem gesamten Gebiet stark. Nýrsko wird wieder ein beliebter Ferienort und ein Zentrum des Tourismus im nördlichen Teil des Böhmerwalds.

Text: Informationszentrum Nýrsko